Glossar.
Als Reserven werden in der Geologie alle Rohstoffmengen bezeichnet, die genau erfasst wurden und unter heutigen Gegebenheiten wirtschaftlich zu gewinnen sind.
Bei Ressourcen handelt es sich um Rohstoffmengen, die derzeit weder wirtschaftlich zu gewinnen noch nachgewiesen sind. Durch verbesserte Aufbereitungstechnologien oder steigende Marktpreise können Ressourcen in Reserven übergeführt werden.
In die Berechnung der Reichweite von Rohstoffen fließen zahlreiche Faktoren mit zum Teil erheblichen Unsicherheiten ein, wie beispielsweise Änderungen im Verbrauchsverhalten. Meist wird der Begriff statische Reichweite zu Grunde gelegt. Zu deren Berechnung werden die Reserven oder Ressourcen eines Rohstoffs durch den aktuellen weltweiten Jahresverbrauch dividiert.
Strategische Rohstoffe sind Materialien, deren Verknappung volkswirtschaftliche Auswirkungen allgemeiner Art auslösen. Sie werden im Einklang mit der aktuellen Literatur auch als kritische Rohstoffe bezeichnet.
Der Substitutability Index geht auf eine Studie der EU zurück (EC 2010) und wird als Kennzahl für die Substituierbarkeit genutzt. Durch Gewichtung verschiedener Anwendungsgebiete gemäß ihrer Wertschöpfung werden dabei Werte zwischen 0 und 1 ermittelt, wobei der hohe Wert für schlecht oder nicht substituierbare Rohstoffe steht.
Kriterien der Studie „Sichere Energie- und Rohstoffversorgung“ (IW 2008) des Instituts der Deutschen Wirtschaft sind die aus den Reserven ermittelte statische Reichweite, die regionale und unternehmerische Konzentration sowie die Substituierbarkeit von Rohstoffen. Als besonders kritisch wird die Versorgungslage eingeschätzt, wenn drei von diesen vier Merkmalen zutreffen: Die statische Reichweite ist geringer als 30 Jahre, mehr als 66% der Vorkommen konzentrieren sich auf drei Länder bzw. mehr als 45% auf drei Anbieter oder ein Stoff ist im Produktionsprozess nicht oder nur schwer zu ersetzen. Bei zwei heiklen Werten gilt die Situation als kritisch.
Für die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erstellte Studie „Rohstoffe für Zukunftstechnologien“ (ISI 2009) wurden 32 Zukunftstechnologien definiert und analysiert. Die Studie prognostiziert deren Entwicklung bis zum Jahr 2030 und beschreibt den aus diesen Anwendungen erwachsenden Bedarf an 22 ausgewählten Rohstoffen für die Jahre 2006 und 2030. Der ermittelte Rohstoffbedarf wurde mit der in 2009 bekannten jährlichen Weltproduktionsmenge der jeweiligen Rohstoffe ins Verhältnis gesetzt. So ergab sich die deutlichste Veränderung für Gallium, dessen Bedarf für Zukunftstechnologien in 2030 auf das 6,1-fache der bisherigen Produktion geschätzt wird.
Der seit Juni 2010 vorliegende EU-Bericht „Critical raw materials for the EU“ (EC 2010) beurteilt 41 Rohstoffgruppen nach den Kriterien wirtschaftliche Bedeutung (Economic Importance), Versorgungsrisiko (Supply Risk) und ökologische Einschränkungen (Environmental Country Risk). Für jedes der drei Kriterien wurde eine normierte Kennzahl mit Werten zwischen 0 und 10 gebildet. Bei Überschreiten von Schwellenwerten (Wirtschaftliche Bedeutung = Schwellenwert 5, Versorgungsrisiko = 1, Risiko ökologisch motivierter Einschränkungen = 1,2) wird ein Rohstoff als kritisch eingeschätzt. Nach dieser Bewertung ist die Versorgung von insgesamt 14 Rohstoffen bzw. Stoffgruppen als kritisch zu beurteilen.
Die „Economic Importance (wirtschaftliche Bedeutung) eines Rohstoffes wird anhand der Wertschopfung in diversen Wirtschaftssektoren, gewichtet nach dem Anteil der Verwendung eines bestimmten Rohstoffs im jeweiligen Wirtschaftssektor ermittelt. (EU-Einstufung/EC 2010)
Das Versorgungsrisiko (Supply Risk) beinhaltet eine aggregierte Bewertung der Kriterien regionale Konzentration von Rohstoffvorkommen, politische und wirtschaftliche Stabilität der wichtigsten Förderländer, Substituierbarkeit und Recyclingrate. (EU-Einstufung/EC 2010)
Das „Environmental Country Risk quantifiziert das Risiko okologisch motivierter Zugangsbeschrankungen zu naturlichen Rohstoff lagerstatten. Aus der Bewertung dieser Kategorie kann zumindest naherungsweise auf die Umweltauswirkungen des Rohstoffabbaus geschlossen werden. (EU-Einstufung/EC 2010)

