| „ Es bestehen reelle Chancen, eine nachhaltige Industriegesellschaft zu erreichen. Dazu bedarf es jedoch einer klaren Weichenstellung und der umfassenden gemeinsamen Anstrengung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.“ |
Plädoyer für eine nachhaltige Industriegesellschaft.
Gastkommentar von Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich.
Die vor uns liegende Jahrhundertaufgabe ist es, die derzeitige ressourcenhungrige Industriegesellschaft in eine nachhaltige Industriegesellschaft zu überführen, die über Ländergrenzen und Generationen hinweg gerecht mit unseren Ressourcen umgeht. Die zielführenden Elemente auf diesem Weg – Suffizienz, Effizienz und Substitution – sind prinzipiell seit langem bekannt.
Die Frage nach der Suffizienz, also mit welchem materiellen Aufwand wir Glück und Zufriedenheit erreichen wollen, ist sicher zu lange verdrängt worden. Die Diskussion um die Grenzen des Wachstums zeigt jedoch, dass das Thema wieder auf der Agenda steht.
Wie sieht es mit der Effizienz aus? Effizienzsteigerungen, die wir mit durchaus beeindruckenden Ingenieurleistungen in den letzten Jahrzehnten erzielt haben, sind durch Mehrverbrauch wieder zunichtegemacht worden. Hier müssen die Anstrengungen ohne Zweifel noch deutlich gesteigert werden.
Bezogen auf die Energieversorgung hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen gezeigt, dass es durchaus möglich ist, Deutschland im europäischen Verbund bis 2050 zu hundert Prozent sicher und bezahlbar mit erneuerbarem Strom zu versorgen.
Nun braucht eine moderne Industriegesellschaft nicht nur Strom, Wärme und Mobilität für den Endverbraucher, sondern auch eine Vielzahl an kaum oder schwer zu substituierenden Metallen und Mineralien. Zahlreiche gängige Metalle wie Blei, Zink, Kupfer, Wolfram und Nickel haben lediglich statische Reichweiten von wenigen Jahrzehnten. Unsere Hightech-Industrie ist zudem auf zahlreiche kritische Rohstoffe wie beispielsweise Tantal, Niobium, Platin, Neodym und Indium angewiesen.
Viele dieser Rohstoffe befinden sich in den Händen von wenigen Ländern und wenigen Unternehmen und schränken damit die marktwirtschaftlichen Mechanismen deutlich ein. Wenn zudem dereinst die natürlichen Lagerstätten erschöpft und sogar die alten Deponien zurückgebaut worden sind, muss die zukünftige Industriegesellschaft auf eine umfassende Kreislaufwirtschaft setzen, die weitgehend auf Sekundärrohstoffen basiert.
Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich |
Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich ist Inhaber des Lehrstuhls für Rohstoff- und Energietechnologie an der Technischen Universität München und Gründungsdirektor des Wissenschaftszentrums Straubing, einer bayerischen Gemeinschaftseinrichtung mit Fokus auf erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe. Zudem hat Prof. Faulstich den Vorstandsvorsitz des ATZ Entwicklungszentrums für Energie, Rohstoffe und Materialien in Sulzbach-Rosenberg inne. Als Vorsitzender des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) ist Prof. Faulstich beratend für die Bundesregierung tätig. |


