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Meilensteine

2000 bis heute – Auf dem Weg zur Rohstoffwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft etabliert sich als Rohstofflieferant

 

Zu Beginn es 21. Jahrhunderts wird Abfall als Rohstoffquelle entdeckt. Mit modernen Anlagen und innovativen Technologien produziert die private Kreislaufwirtschaft Sekundärrohstoffe für die Industrie. Über Ressourcen- und Klimaschutz leistet sie damit einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zum zukunftsgerichteten Erhalt der Lebensgrundlagen.

 

Technologischer Fortschritt, Aufschwung der Schwellenländer, rapide zunehmende Weltbevölkerung – all dies heizt die Nachfrage nach Rohstoffen kräftig an. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird mehr und mehr deutlich, dass der verschwenderische Zugriff auf natürliche Ressourcen gedrosselt werden muss. Gefragt sind nachhaltige Strategien, die Wirtschaftswachstum und Rohstoffverbrauch von einander trennen.

 

 

 

Weltmeister im Recycling

In Deutschland sind bereits aussichtsreiche Voraussetzungen für den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen geschaffen: Mit der Verpackungsverordnung und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz wurden in den 90er Jahren wichtige Rechtsgrundlagen realisiert. Die darauf aufsetzenden kreislaufwirtschaftlichen Entwicklungen machen das Land jetzt zum globalen Vorreiter in Sachen Recycling. In kurzer Zeit entsteht umfassendes Know-how und ein Technologievorsprung, der bis heute Bestand hat. Schritt für Schritt werden die weltweit höchsten Recyclingquoten erreicht. Gegen Ende dieses Jahrzehnts kann die deutsche Wirtschaft mehr als 13 Prozent ihres Rohstoffbedarfs über Sekundärrohstoffe decken, was Primärrohstoffe im Wert von 8,4 Milliarden Euro einspart.

 

Um Stoffkreisläufe dieser Größenordnung zu schaffen, sind erhebliche Vorleistungen erforderlich. Sie werden vorrangig im privatwirtschaftlichen Bereich erbracht. Die Unternehmen der Wasser- und Kreislaufwirtschaft entwickeln technologische und verfahrenstechnische Innovationen zur Perfektion der Rückgewinnung. Gleichzeitig bauen sie die benötigten Infrastrukturen auf – Hightech-Anlagen, mit denen sich große Mengen an Ausgangsmaterial zu marktstarken Produkten aufbereiten lassen. Allein für den Aufbau von Sortier- und Recyclinganlagen geben die Privatunternehmen in zwei Jahrzehnten mehr als 15 Milliarden Euro aus.

 

 

 

Wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz
Der Aufbau geschlossener Stoffkreisläufe schont natürliche Ressourcen und kommt zugleich dem Klimaschutz zugute: Industrien, die Sekundärrohstoffe einsetzen, verringern ihren Energiebedarf und vermeiden dadurch auch CO2-Belastungen. So werden beispielsweise für die Kupferproduktion aus Sekundärstoffen 80 Prozent weniger Energie benötigt als bei Primärgewinnung aus Erz und Konzentraten und dadurch CO2-Belastungen vermieden. Ein Meilenstein des Klimaschutzes ist der weitgehende Verzicht auf Deponierung. Seit dem 1. Juni 2005 dürfen biologisch abbaubare Abfälle in Deutschland nicht mehr unbehandelt abgelagert werden. Schon 1993 hatte die TA Siedlungsabfall (TASi) hohe Anforderungen an den Bau und Betrieb von Deponien gestellt und für Mitte 2005 ein Ablagerungsverbot für unbehandelte Abfälle ausgesprochen. Mit der Abfallablagerungsverordnung werden die Vorgaben der TASi im Jahr 2001 auf die Verordnungsebene mit unmittelbarer Rechtswirkung gehoben und um Deponiezuordnungskriterien für mechanisch-biologisch vorbehandelte Siedlungsabfälle ergänzt. Die Deponieverordnung von 2002 und die Deponieverwertungsverordnung von 2005 treffen weitere Regelungen.

 

 

 

Energie aus Abfall
Als das Ablagerungsverbot ausgesprochen wird, sind Deponien für Siedlungsabfall noch ein wesentliches Element der Entsorgungsstrukturen. Innerhalb weniger Jahre müssen nun Alternativen geschaffen werden – parallel zum Aufbau von Recyclingmöglichkeiten. Landesweit werden Anlagenkapazitäten zur Kompostierung, mechanisch-biologischen Behandlung und energetischen Nutzung geschaffen. Die Investitionen in diese Infrastrukturen sowie den Abschluss oder die Nachrüstung von mehreren hundert Siedlungsabfalldeponien sind erheblich. Insgesamt werden hierfür rund 20 Milliarden Euro aufgewendet. Und wieder ist es vorrangig die Privatwirtschaft, die Grundlagenarbeit leistet und den Weg bereitet.

 

Über die Aktivitäten in der Wasser- und Kreislaufwirtschaft hinaus engagiert sich REMONDIS zunehmend auch in der Energiegewinnung. Vielversprechende Potenziale werden systematisch analysiert und nutzbar gemacht. Es entstehen Kraftwerke, die aus Abfällen Strom, Dampf und Wärme erzeugen, aber auch Produktionsmöglichkeiten für alternative Energieträger wie aus Abfall gewonnene Ersatzbrennstoffe. Neben eigenen Anlagen richtet das Unternehmen auch Kundenanlagen energieeffizient aus – bis hin zur energetischen Nutzung von Reststoffen aus der industriellen Abwasserreinigung.

 

 

 

Aktivitäten weltweit voranbringen
Die Initiativen zeigen Erfolg: Von 1990 bis 2006 spart die deutsche Kreislaufwirtschaft rund 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ein. Sie erbringt damit knapp ein Viertel der im Land insgesamt erreichten CO2-Reduktion von 235 Millionen Tonnen. Doch Ressourcen- und Klimaschutz sind globale Aufgabenstellungen, die länderübergreifend angegangen werden müssen. Mit internationalem Engagement trägt REMONDIS dazu bei. So erweitert das Unternehmen in dieser Zeit kontinuierlich seine Aktivitäten in Europa und Australien. Zugleich werden neue Felder in Übersee erschlossen, zum Beispiel 2004 in China und 2009 in Indien.

Die in Deutschland erreichten Standards auch anderswo zu realisieren macht Sinn. Allein in Europa gehen jährlich noch immer verwertbare Materialien mit einem Wert von 5,25 Milliarden Euro verloren. Würden sie recycelt, ließen sich neben erheblichen Mengen an Rohstoffen auch bis zu 148 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Hinzu kommt, dass die Deponierung unbehandelter Abfälle in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten heute noch eine erhebliche Rolle einnimmt. Ein europaweites Deponieverbot für diese Abfälle wäre ein deutlicher Schritt voran. Bis zu 110 Millionen Tonnen CO2-Emissionen könnten auf diese Weise verhindert werden.

 

 

 

Anforderungen steigen weiter
Einige Rohstoffe werden schon in den nächsten Jahrzehnten nahezu aufgebraucht sein. Es wird daher zusätzliche Anstrengungen erfordern, um strategisch bedeutsame Materialien langfristig zu erhalten. Auch der Klimaschutz darf sich mit den bisher erzielten Erfolgen nicht zufriedengeben. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Kreislaufwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Mehr und mehr entwickelt sie sich dabei zu einer Rohstoffwirtschaft, deren Leistungen wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen.

In Deutschland stellt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) die Weichen für das nächste Jahrzehnt. Der Erstentwurf des Gesetzes wurde 2010 vorgelegt; nach langen Debatten folgte 2012 die Verabschiedung. Aus Sicht der Privatwirtschaft bleibt das Gesetz hinter dem zurück, was machbar ist. Während sie bereits ein Recycling von 100 Prozent ins Auge fasst, setzt der Gesetzgeber die Recyclingquoten relativ niedrig und damit wenig ehrgeizig an. Zudem verzichtet er auf eine stringente Abfallhierarchie im Sinne einer 1:1-Umsetzung der europäischen Vorgaben der Abfallrahmenrichtlinie. Durch die Festschreibung kommunaler Überlassungspflichten wird gleichzeitig der faire Wettbewerb eingeschränkt und damit ein bewährter Impulsgeber des Fortschritts außer Kraft gesetzt.

Der Weg in die Rohstoffwirtschaft braucht Finanzkraft, internationale Allianzen und Engagement auf dem Weltmarkt. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Leistungsstärke der Privatwirtschaft eine wichtige Triebfeder ist, um den Herausforderungen des Ressourcen- und Klimaschutzes wirksam zu begegnen. Insellösungen, die schon an Ortsgrenzen enden, können den globalen Aufgabenstellungen nur wenig entgegensetzen.

 

 

Ökologie und Ökonomie sind eng verbunden: Unternehmen, die Sekundärrohstoffe einsetzen, können ihre Material- und Energiekosten deutlich reduzieren.

Inzwischen entlastet die Branche das Klima jährlich von 18 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Das entspricht dem Abgasausstoß von 20 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Pkw.

„Die privaten Entsorgungs- und Recyclingunternehmen stellen immer mehr Sekundärrohstoffe her. In den nächsten Jahren wird sich dieser Trend fortsetzen und verstärken. Deutschland wird Rohstoffland.“

Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE)

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zufolge befürchtet jeder zweite Bundesbürger, dass die Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen künftig gefährdet sein könnte.




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