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Kreislaufwirtschaft

Stabilität und Wachstum in Zeiten des Wandels

Ein funktions- und leistungsfähiges Bankensystem ist eine wichtige Voraussetzung für die Privatwirtschaft.

Der Vorstandsvorsitzende der RETHMANN AG und Aufsichtsratsvorsitzende der REMONDIS AG, Reinhard Lohmann, über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft und die Wachstumsperspektiven von REMONDIS.

 

In den letzten Wochen und Monaten verging kein Tag ohne Meldungen über die Krise der Finanzwirtschaft. Ausgelöst durch das Platzen der Blase im sogenannten Subprime-Immobilienmarkt der USA geriet eine große Bank nach der anderen ins Stolpern. Traditionsreiche Institute wie Lehman Brothers hatten sich in einem Ausmaß verspekuliert, welches ihren vollständigen Zusammenbruch zur Folge hatte. Die Börsenkurse befanden sich in der Folge weltweit im freien Fall. Auch deutsche Finanzinstitute blieben von den Auswirkungen der Krise nicht verschont. Die Bundesregierung verhinderte mit einem Rettungspaket in der Größenordnung von 500 Milliarden Euro in Form von Kapitalhilfen und Bürgschaften zwar einen Dominoeffekt, der im schlimmsten Fall den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems hätte bedeuten können, dennoch zeichnet sich die Finanzwirtschaft bis heute durch ein hohes Maß an Volatilität aus.

 

Währenddessen beschweren sich die Steuerzahler über die ungefragte Verwendung ihrer Steuergelder für den Ausgleich der Verluste einiger Finanzmanager, die sich im weltweiten Markt verspekuliert haben. Hier hat die menschlich nachvollziehbare, aber ungezügelte Gier zum Versuch geführt, Geld zu vermehren, unabhängig davon, ob die dafür nötigen Finanzmittel vorhanden waren oder nicht. Doch bei genauerer Betrachtung sind von dem Finanzcrash, abgesehen von lediglich zwei Ausnahmen, vor allem jene Banken betroffen, die unter staatlicher Aufsicht stehen und nun auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, also Landesbanken wie die West LB, die Bayern LB, die Helaba, LBBW und Nord LB sowie die IKB und KfW. Wir haben es hier also in allererster Linie mit einem Versagen des Staates beziehungsweise seiner Aufsicht zu tun. Die von den USA vorangetriebene und von Deutschland und anderen Staaten unterstützte

 Reinhard Lohmann, Aufsichtsratsvorsitzender der REMONDIS AG und Vorstandsvorsitzender der RETHMANN AG

oder zumindest gebilligte Liberalisierung der Finanzmärkte hat zu einer Aushebelung jeglicher Regulierungsmechanismen geführt. So konnte sich die Gier ungehemmt entfalten – mit den bekannten Folgen. Der überwältigende Teil der jetzt bereitgestellten Steuermilliarden geht also an quasi staatliche Betriebe. Der Staat muss dem Staat helfen, während die Privatwirtschaft freiwillig oder auch notgedrungen auf sich alleine gestellt bleibt. Da aber ein funktions- und leistungsfähiges Bankensystem eine wichtige Voraussetzung für die Privatwirtschaft ist, gilt es kurzfristig wieder ein Vertrauensverhältnis zwischen der Wirtschaft und der Finanzwelt aufzubauen.

 

Denn die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft sind schon deutlich spürbar. Das Bruttoinlandsprodukt der großen westlichen Volkswirtschaften verzeichnet im zweiten Quartal in Folge negative Wachstumsraten. Das Wort „Rezession“ macht die Runde. Wenn die Wirtschaftsleistung zurückgeht, bedeutet das immer auch einen Rückgang der Produktion. Weniger Produktion heißt weniger Warenverkehr, weniger Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie weniger Abfallaufkommen, aber auch weniger Rohstoffbedarf. Der seit Anfang Oktober 2008 stark gesunkene Ölpreis und die fallenden Preise für Sekundärrohstoffe wie Altmetall und Recyclingpapier sind sichere Indikatoren für ein Durchschlagen der Krise auf die Realwirtschaft. Insofern sind nahezu alle Bereiche der Kreislaufwirtschaft von der Erfassung über die Logistik bis zur Vermarktung der Sekundärrohstoffe und Recyclingprodukte betroffen.

 

Was bedeutet das für den Markt im Allgemeinen und für REMONDIS im Besonderen? Zunächst einmal ist festzustellen, dass die wirtschaftliche Eintrübung auch schon vor dem Beginn der Finanzkrise von allen Instituten für spätestens Mitte des Jahres 2009 prognostiziert worden war. Die gegenwärtigen Turbulenzen mögen also verstärkend wirken, ursächlich sind sie jedoch nicht für die Wachstumsdelle verantwortlich. Ebenfalls lange vor den Verwerfungen am Kapitalmarkt wurde in der Wasser- und Kreislaufwirtschaft eine Phase der Konsolidierung eingeleitet. Kleinere Unternehmen gehen in größeren auf, Marktteilnehmer fusionieren, bilden Joint Ventures oder suchen ihr Heil in einer Konzentration auf das Kerngeschäft, manche verschwinden ganz aus dem Markt. In dieser Situation kann sich die zögerliche Kreditvergabe von Banken, die ihrerseits angesichts der Finanzkrise ihr Kapital zusammenhalten müssen, verstärkend auf den Konsolidierungsprozess auswirken. Unternehmen ohne gesunde Eigenkapitaldecke, die für ihre wirtschaftliche Handlungsfähigkeit auf Finanzierungen und Avallinien angewiesen sind, könnten mangels Fremdkapital in Bedrängnis geraten. Für REMONDIS gilt der Umkehrschluss. Als traditionsreiches Familienunternehmen mit solidem finanziellem Fundament kann das größte deutsche Unternehmen der Wasser- und Kreislaufwirtschaft die gegenwärtige Krise nicht nur wesentlich besser meistern. Vielmehr bietet die Fluktuation im Markt langfristig hervorragende Wachstumschancen. REMONDIS ist bestens aufgestellt, um gestärkt aus der aktuellen Situation hervorzugehen. Die Rezession trifft auch die Equity Fonds, die seit etwa zwei Jahren verstärkt in den Markt für Wasser- und Kreislaufwirtschaft vorgedrungen waren. Mit einem erheblichen Anteil an Fremdfinanzierung übernahmen die Fonds gerne Unternehmen mit realen Werten und greifbaren Geschäftsmodellen. Doch nun stellt die Finanzkrise sie vor erhebliche Probleme, die für ihr Geschäftsmodell notwendige hohe Fremdfinanzierung zu akquirieren. In der Folge beobachten wir heute auch schon wieder den Ausstieg der Equity Fonds aus diesem Markt. Damit ist nach dem Ein- und Wiederausstieg amerikanischer Großunternehmen und dem anschließenden Engagement der Energiekonzerne, die nach massiven Investitionen und hohen Verlusten feststellen mussten, dass ihr Geschäftsmodell nicht einfach auf die Kreislaufwirtschaft übertragbar war, die dritte Phase der Konsolidierung in der Branche eingeläutet. Und hier erweist sich einmal mehr, dass Größe, Tradition und eine solide finanzielle Grundausstattung der beste Schutz vor feindlichen Übernahmen ist. Im Gegensatz zu den amerikanischen Wettbewerbern, den Energiekonzernen und den Equity Fonds steht REMONDIS für ein langfristiges Engagement im Markt und wird auch in Zukunft allen Avancen seitens der Kapitalmarktfonds trotzen. Unser Streben gilt der Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland und vor allem auch in jenen Ländern, in denen man bis heute vornehmlich auf die Deponierung der Abfälle setzt.

 

Beispiel Russland und Ukraine: In beiden Ländern hat man die Notwendigkeit eines Einstiegs in die echte Kreislaufwirtschaft erkannt und setzt auf REMONDIS als strategischen Partner mit langjährigem Know-how. Die Gründung der größten internationalen Public Private Partnership im ukrainischen Saposroshje macht bereits Schule. Mehrere Kommunen und Landkreise haben Absichtserklärungen mit REMONDIS unterzeichnet und wollen mit unserer Hilfe schnellstmöglich den Stoffkreislauf schließen. In Russland konnte REMONDIS mit einem der größten Baukonzerne des Landes ein Joint Venture gründen, das dem Unternehmen bei der Erschließung dieses gigantischen Marktes helfen wird.

 
So ergeben sich auch in Zeiten globaler wirtschaftlicher Turbulenzen hervorragende internationale Wachstumsperspektiven für REMONDIS. Wenn es aber in dieser Situation etwas gibt, das der Staat auf nationaler Ebene für die privaten Unternehmen der Wasser- und Kreislaufwirtschaft tun kann, dann ist das zum einen die Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen in Form von Abfallwirtschaftsplänen, Gewerbeordnungen und gleichberechtigten Steuerregelungen und zum anderen die Ausschreibung von staatlichen Aufträgen im fairen und freien Wettbewerb. Die operative Durchführung der wasser- und kreislaufwirtschaftlichen Tätigkeiten sollte im Idealfall ganz den Privaten überlassen werden, die erfahrungsgemäß wesentlich kosteneffizienter und leistungsfähiger sind. Auch das könnte vielen Unternehmen der Branche bei der Bewältigung der schwierigen wirtschaftlichen Situation helfen. REMONDIS schaut derweil mit vorsichtigem, aber kerngesundem Optimismus in die Zukunft der Wasser- und Kreislaufwirtschaft.

„Die operative Durchführung der wasser- und kreislaufwirtschaftlichen Tätigkeiten sollte im Idealfall ganz den Privaten überlassen werden, die erfahrungsgemäß wesentlich kosteneffizienter und leistungsfähiger sind.“




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